Blue Flower

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1985

Vor 30 Jahren beschloss die damalige Bundes-regierung, Asylbewerber auch in kleineren Städten unterzubringen. So kamen die ersten Asylsuchen-den nach Radolfzell. Viele sind ihnen seither gefolgt. Manche haben hier eine neue Heimat gefunden und sind Mitbürger geworden. Andere sind weiter gezogen oder sind in Ihre Heimatländer zurückgekehrt.

23.09.1985

Fünf Tamilen aus dem Bürgerkriegsgebiet von Sri Lanka erreichen Radolfzell. Engagierte ehrenamtliche Helfer finden sich zusammen, gründen den Freundeskreis Asyl und empfangen die Gruppe. Die Flüchtlinge werden in einem Wohn-heim in der Zeppelinstraße untergebracht.

1986

Flüchtlinge aus Bangladesh sowie aus dem Iran kommen hinzu; letztere flohen vor dem Khomeini-Regime und vor dem Iran-Irak-Krieg. Eine Gruppe von Sikhs aus Nordindien, die wegen Unruhen nach dem Brand des Goldenen Tempels in Amritsar aus ihrer Heimat geflohen waren, kommt im ehemaligen Bahnbetriebswerk unter. Der Platz wird knapp. Die Stadt stellt einen Betreuer ein.

1987

Unruhen in der Osttürkei erhöhen die Zahl der Flüchtlinge. Nun sind auch Kurden unter den Asyl-suchenden in Radolfzell. Die damals ungenutzte ehemalige Kaserne dient jetzt als Sammelunter-kunft.

1989/1990 (Fall der Mauer und Wiedervereinigung)

Sogenannte „Vertragsarbeiter“ aus Vietnam verlassen die DDR in Richtung Westdeutschland und finden den Weg nach Radolfzell.

1992

Über 200 Flüchtlinge leben jetzt in der Kaserne. Betreut werden sie von einer Sozialarbeiterin, die von der Stadt angestellt wurde, und Mitgliedern des Freundeskreises Asyl. Sprachkurse und Feste erleichtern die Teilhabe am Radolfzeller Leben.

1994

Wegen des Jugoslawienkriegs kommen 400 Flüchtlinge, vorwiegend aus dem Kosovo, nach Radolfzell. Die Versorgung der Asylbewerber wird durch neue Rechtsverordnungen erheblich reglementiert: Statt Geldzahlungen und heimatlicher Küche gibt es nur noch standardisierte Lebensmittelpakete und ein kleines Taschengeld. Arbeit und Reisen über den Landkreis hinaus sind verboten.

1999

Das ehemalige Kasernenareal wird zum Gewerbepark. Drei neu errichtete Gebäude in Einfachbauweise in der Kasernenstraße beherbergen seitdem die Neuan-kömmlinge.

2013

Nachdem die Lebensmittelpakete (s. 1994) schon längere Zeit durch Einkaufsgutscheine abgelöst wor-den waren, kann auch im Landkreis Konstanz die Auszahlung von Bargeld durchgesetzt werden. An diesen zähen Verhandlungen mit dem Landratsamt Konstanz ist auch der Freundeskreis Asyl aktiv beteiligt. Auch die Residenzpflicht wurde gelockert: Asylbewerber können sich seitdem frei in Baden-Württemberg bewegen.

Der Bürgerkrieg in Syrien zwingt Oppositionelle zur Flucht. Bisher wurde ihnen die Anerkennung verwei-gert und ihnen drohte die Abschiebung. Jetzt gibt es erste Anerkennungen von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak.

2015

Derzeit leben Asylbewerber aus 20 Ländern in der Gemeinschaftsunterkunft in Radolfzell: Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Indien, Irak, Iran, Kamerun, Kosovo, Libanon, Marokko, Mazedonien, Nigeria, Nordkorea, Pakistan, Serbien, Sri Lanka, Syrien, Togo, Tschetschenien, Türkei, Ungarn