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Sechs Roma-Flüchtlinge gründen eine Band

   

Der erste Auftritt war im Treffpunkt Petershausen. Künftig sind weitere Auftritte der Bläser-Band geplant: (siehe >hier)

Mit dem Saxofon hat alles angefangen. Cile Selimovic aus Serbien hat es im Gespräch mit Helfern des Freundeskreises Asyl aus Radolfzell zufällig erwähnt. Daraus ist ein Projekt entstanden, das es so im Landkreis Konstanz noch nicht gegeben hat: Sechs Musiker haben eine Band gegründet, den Roma Balkan Express. Das Besondere an der Band: Alle Mitglieder sind Roma aus Serbien und nach Deutschland geflüchtet.

Cile selbst, 39 Jahre, hat vor fünf Jahren begonnen, Saxofon zu spielen. Er hat den Umgang mit dem Instrument von seinem Vater gelernt. In seiner Heimatstadt Vranje in Serbien ist er mit dem Vater öfter auf Festen und Hochzeiten aufgetreten. Dragan Alilovic wiederum spielt seit frühester Kindheit Trompete. In den vergangenen Jahren habe er sich in Belgrad als Musiker durchgeschlagen, berichtet sein Freund Ferdi Sokoli, der besser Deutsch spricht als er. Gemeinsam mit Verwandten und Freunden trat er bei Festen und Hochzeiten auf und verdiente so etwas Geld. Das reichte gerade mal zum Leben. Dragan hat einen guten Grund, in Deutschland zu sein. Seine einjährige Tochter ist kleinwüchsig, zum Überleben braucht sie Medikamente. Diese Medikamente konnte Dragan in Serbien nicht für sie erwerben – sie waren für ihn nicht erschwinglich. Dragan ist Roma, in Belgrad hat er viele subtile Formen der Diskriminierung erlebt. „Wenn man Geld hat, geht es“, sagt Ferdi Sokoli. „Sonst hat man keine Chance, eine Behandlung zu bekommen.“ Jetzt ist Dragan in Deutschland, er lebt in der Flüchtlingsunterkunft in Radolfzell.

Kaum war die Idee zur Bandgründung geboren, ging es an die Umsetzung: Volker Wagner, Musiker und Musiklehrer aus Radolfzell, besorgte Cile Slimovic ein Instrument. Das sprach sich herum: Zu Cile gesellte sich neben Dragan noch Martin Malicevic. Cile sprach zudem Nebusa und Oliver Ivanovic aus dem Stockacher Flüchtlingsheim an, beide gute Trompetenspieler. Damit war die Band komplett, zumindest fast. Kurzfristig stieß Deniz Meditovic, ein 15-jähriger Verwandter von Dragan, zu den Bläsern und unterstützt sie mit Percussion. Und wie klappt es mit dem Zusammenspiel der neuen Formation? „Es ist gar nicht schwierig“, erklärt Cile Selimovic, „es klappt wunderbar.“

Das Projekt ist ehrgeizig und hat ein Vorbild: Der Hamburger Musiker Heinz Ratz tourt seit 2011 mit der Projekt-Band „Strom & Wasser featuring the Refugees“ durch Deutschland. Die musizierenden Flüchtlinge hatte er bei Besuchen in deutschen Flüchtlingsunterkünften kennengelernt. Die Gruppe hatte mit ihrer Musik für Aufsehen gesorgt und Aufmerksamkeit auf die Situation der Flüchtlinge gelenkt.

Die Musiker des Roma Balkan Express haben sich vor Publikum bereits beweisen können. Bei einem Auftritt im Treffpunkt Petershausen präsentierten sie ihre Musik erstmals etwa 250 begeisterten Zuhörern. „Die Stimmung war super“, berichtet Jörg Braunert vom Freundeskreis Asyl in Radolfzell. Anfragen für weitere Auftritte folgten umgehend. Ein Gewinn ist der Initiative sowieso gewiss. Für einige Stunden können die Musiker der Enge der Flüchtlingsunterkünfte entfliehen, die Angst vor Abschiebung vergessen und sich über die Musik neue Kontakte schaffen.

Unterstützung 

erhielten die Flüchtlinge durch die Spende von Instrumenten. Eine Trompete wurde von der Stadtkapelle Radolfzell gespendet, eine weitere vom Freundeskreis Asyl. Das Saxofon ist eine Leihgabe. Die Trommel hat die Radolfzeller Froschenkapelle zur Verfügung gestellt. Wer ein Instrument spenden will, kann es im evangelischen Pfarramt Radolfzell (Brühlstraße 5) abgeben oder unter http://fk-asyl-radolfzell.org/kontakt.html anbieten.